
Neue Verhaftungen und Misshandlungen in Ägypten
By anonymous email sos_egypt@gmx.de
16.11.01. Kaum wurden 23 von 52 angeklagten jungen Männer wegen angeblicher
„Unzucht“ in einem Schauprozess ohne jeglichen Anspruch auf ein faires
Verfahren am 13.November in Kairo zu Haftstrafen und schwerer Zwangsarbeit
zwischen einem und fünf Jahren verurteilt, da dringen auch schon neue
Meldungen von Verhaftungen aus dem Land am Nil. Auch dieses Mal sind die
Opfer Männer, deren einziges Vergehen darin besteht, dass die Behörden sie
verdächtigen, schwul zu sein. Wie die Internationale schwullesbische
Menschenrechtskommission (IGLHRC) meldete, bestätigte die Polizei in Gizah
(bei Kairo) die Festnahme von vier Män-nern am 10.November unter dem
Verdacht der „gewohnheitsmäßigen Ausübung der Unzucht“. Zwei ägyptische
Zeitungen meldeten am 15.November, die Vier seien verhaftet worden, weil sie
aus ihrer Wohnung eine „Höhle der Prostitution“ gemacht hätten. Nach Angaben
der Rechtsanwälte bestreiten die Beschuldigten, dass ihnen besagte Wohnung
gehöre oder sie irgendetwas mit der Wohnung zu tun hätten. Im Prozess gegen
die 52 Männer hatte die Staatsanwaltschaft Observierungsberichte der Polizei
als „Beweise“ vorgelegt. Die Verteidi-ger konnten aber nachweisen, dass
diese „Observierungen“ frei erfunden waren, da einige der Angeklagten nach
der Verhaftung falsche Namen und Adressen angegeben hatten. Die Polizei
wollte aber diese Angeklagten, die mit falschem Namen im
Observierungsbericht standen, angeblich gerade an diesen falschen Adressen
observiert haben, wo diese vermutlich in ihrem Leben nie waren. Alles deutet
darauf hin, dass die Staatsanwaltschaft nun erneut erfundene
Observierungsprotokolle vorlegen will, die den vier jetzt verhafteten
Männern Unzucht in besagter Wohnung beweisen sollen.
Es wurde vorerst Untersuchungshaft bis 30.Dezember angeordnet. Es ist zu
befürchten, dass auch diese Männer durch Misshandlung und Folter zu
Geständnissen gezwungen werden sollen, wie dies im den vorhergegangenen
Fällen geschehen war. Scott Long, der bereits den vorangegangenen Prozess
für die IGLHRC vor Ort beobachtet hatte, konnte mit einem der Verhafteten
kurz durch die Gitter eines LKW sprechen, als dieser von der
Staatsanwaltschaft zurück uns Gefängnis gebracht wurde. Der
Untersuchungshäftling berichtete von Erniedrigungen, Stockschlägen Folter
und Aufhängen an den Zellengittern.
„Dieser neue Fall weist auffällige Parallelen zu dem der Männer auf, die
kürzlich in Kairo vor Gericht standen“, erklärte Long, „Vermutete
Homosexuelle werden willkürlich verhaftet unter dem Vorwurf der Unzucht, im
Gefängnis geschlagen, in der Presse angeschwärzt, während die Polizei sich
die Beweise selber strickt, die sie nicht hat. Es zeichnet sich immer
deutlicher ab, dass der Prozess kein Einzelfall war, sondern dass die
staatliche Verfolgung von Homosexuellen eine größeres, allgemeines Problem
in Ägypten geworden ist. Die internationale Gemeinschaft muss Ägypten klar
machen und von der ägyptischen Regierung einfordern, dass dieser Missbrauch
aufhören muss!“
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